8er-Damen beim Sempacher Langstreckenrennen
25.09.2011 17:58 von Annette Graul
Zum jährlich stattfindenden Rudertreffen Sursee vertraten in diesem Jahr die 8er-Damen den RV ‚Neptun‘. Der Grosse-Preis vom Sempachersee, ein Langstrecken-Achterrennen von Sempach nach Sursee am Samstagabend, ist der Auftakt und erster Höhepunkt des traditionellen Ruder-Wochenendes. Ein einmaliges Erlebnis ist der Massenstart mit über 20 Achtern beim Quai von Sempach, welche dann um die SUPERBA-Trophy rudern.
Die Gig-Wertung wurde dieses Jahr auf Initiative der Konstanz-Kreuzlinger 8er-Damen hin erstmalig ausgeschrieben. Da es für sie nicht die Gelegenheit gibt, in einem Rennachter zu trainieren – sie aber gleichwohl die anspruchsvolle Regattaherausforderungen meistern wollten – fragte sie kurzerhand nach einer Möglichkeit, im Gigboot zu starten. Umso enttäuschender, dass eine Meldung dann zunächst trotzdem nicht möglich war. Nicht etwa, weil es an enthusiastischen Ruderinnen gefehlt hätte, sondern vielmehr weil keine andere Mannschaft aus Konstanz oder Kreuzlingen für dieses Rennen zustand kam und somit auch ein Bootstransport ausserhalb der Möglichkeiten lag. Doch welche Überraschung: der Seeclub Sursee bot uns ihren quasi nagelneuen Doppel-Achter mit dem Taufnamen „RESPEKT“ an. Dieser Name wurde gleichzeitig zum Schlüsselwort unseres Rennens: ‚Respekt, dass ihr diese Regatta fahrt!‘ ‚Respekt, dass ihr eine Bootsklasse fahrt (Doppelachter), die ihr nie zusammen trainiert habt!‘ Es war schön, im Vorfeld die Resonanz aus den Vereinen in Konstanz und Kreuzlingen zu erhalten.
Alle Zeichen standen auf hoch. Ursprünglich waren drei Gig-8er gemeldet. Die Badener Frauen sattelten jedoch ganz kurzfristig noch auf Rennboot um. Grossartiges Spätsommerwetter herrschte, beste Wasserbedingungen, hervorragende individuelle Betreuung durch die Mitglieder des Seeclubs Sursee. Das Beste an der Sache war aber, dass wir die Einzigen waren, die die Infrastruktur des Bootshauses nutzen konnten. Das gerade einmal jährige C-Line-Boot lag in der Bootshalle etwas abseits des Regatta-Gewusels und der dazugehörige Steg wurde nur von uns benutzt. Das machte eine wirklich entspannte Rennvorbereitung, Ein- und Auswasserung möglich. Dieses Hochgefühl erhielt schlagartig einen Dämpfer, als wir an die missverständlich ausgeschilderten Startbojen im sehr flachen Wasser ansteuerten. Viele Achter manövrierten auf engsten Raum um die Bojen herum. Und obwohl wir uns so gut als möglich einrichteten, war der Start für uns ein völliger Schock! Zwar hörten wir nach dem Ausrichten noch ein leises ‚attention‘ von der anderen Seite des Sees. Das Startkommando war jedoch nicht zu hören. Als die erste Hälfte der Boote bereits 2 bis 3 Bootslängendavon gezogen waren, starteten wir auch mit deutlicher Verspätung. Mit uns die Boote rechts und links von uns. Es reichte uns aber zu kaum 3 Schlägen als Sabine, unsere wackere Steuerfrau, ein panisches ‚STOOOOP!!!‘ rufen musste. Das benachbarte Frauenboot mit der Startnummer 3 fuhr direkt steuerboadseitig in uns hinein. Die Ausleger und Ruder verkeilten sich, alles musste entwirrt und voneinander getrennt werden. Zum Glück blieben die Boote heil. Als wir dann endlich starten konnten, schnitt ebenjenes Boot von backbord kommend unseren Start zum zweiten Mal ab. Bis wir dann wirklich in Fahrt kamen, war das Feld schon eine gute Minute vor uns. Aber die Steuerfrau schaffte es hervorragend, mit ihren Kommandos die Aufregung im Boot niederzukämpfen und den Rhythmus eines schönes Streckenschlages herzustellen. Wir schafften es, ganz dicht am enorm jung besetzten Boot mit der 3 dran zu bleiben. Das gab uns den Auftrieb, wirklich alles zu geben! Vor allem war es ein erhebendes Gefühl, wunderbar harmonisch und technisch sauber dieses Rennen zu bestreiten. Die Teamarbeit im Boot war super! Die Kommandos konnten einwandfrei umgesetzt werden und so fanden wir immer wieder Impulse zum Dranbleiben. Denn das ist fast das Schwierigste in einem Rennen ohne direkte Gegnerboote: Dranbleiben und Beißen! Beim Zieleinlauf wurden wir von brausendem Sympathie-Beifall willkommen geheißen. Uns klingelten ohnehin die Ohren vor lauter Anstrengung!
Nach dem Ausrudern und Anlegen erfrischte uns ein Sprung in den Sempachersee. Doch die große Überraschung kam noch: wie sich herausstellte, war unser Gegner-Gigboot war kein gleichwertiges Boot gewesen! Und somit wurde unser Achtungserfolg auch mit dem halben Preisgeld entsprechend gekrönt. Was nun mit dem Boot mit Bugnummer 3 los war? Offenbar hatten sie sich im flachen Wasser beim Manöver rund um die Startbojen das Ruder beschädigt und waren lenkunfähig. Das hatten wir ja nun gemerkt. Kaum auszudenken, was passiert wäre, wenn wir am Start vor ihnen weg gekommen wären…
Vielleicht gelingt es ja im kommenden Jahr als große Mannschaft aus Konstanz und Kreuzlingen mit drei Achtern an den Start zu fahren?








